Familie Färber

Arsch

Braucht es wirklich immer eine Subline oder können wir das heute mit der Frage danach einfach auslassen und SEO ist trotzdem glücklich?


Ich wache auf und müsste Kopfschmerzen haben, sehr, sehr arge Kopfschmerzen. Ein Blick auf das Handy und ich habe sie nicht. Seit ungefähr 117 Minuten weiß ich, dass eine Nachricht von dir darauf ist. Und ich will sie nicht lesen, weil ich intuitiv weiß, dass sie nichts Gutes zu bedeuten hat. Hat sie auch nicht. Und ich keine Kopfschmerzen. Weil ich einfach gar nichts mehr fühle.

Das stimmt so natürlich nicht, denn ich fühle eigentlich Schmerz, ganz viel Schmerz. Und Trauer. Und ich warte darauf, dass die fünf Phasen der Trauer beginnen. Sie sind eigentlich für den Verlust eines Angehörigen definiert worden, irgendwann fand man aber heraus, dass sie ziemlich gut auf Liebeskummer zutreffen. Weil man da ja auch verliert. Den anderen und sich selbst.

Wäre es okay, einfach weiter zu trinken? Mit dem weiter zu machen, womit man am Vortag aufgehört hat? Die Sachen von gestern habe ich ja auch noch an, auch das MakeUp, nur dass es heute besser denn je auf den Elisabeth Taylor Song passt. Gestern in schön, heute in völlig zerstört, die roten Lippen. So wie ich. Nur dass die Lippen und ich es gestern schon waren, aber uns etwas besser angemalt hatten hinter dem schönen Mond, dem Rotwein und dem nächtlichen Spaziergang.

Im Dunkeln ist alles schön, kein Dreck auf der Straße, keiner unter den Nägeln und keiner am Herzen. Nur am Handy heute, dass ich doch noch einmal nehme, um dir zu schreiben, obwohl ich es wie immer nicht wollte. Aber es macht auch keinen Unterschied mehr bis mir die Bilder vom gestrigen Abend in die Hände fallen. Und beim Aufstehen merke ich immerhin, dass mein Kreislauf instabil ist. Also doch kein Alkoholiker. Instabil.

Instabil ist ein schönes Wort. Für meinen Kreislauf, mich und uns. Instabil. Schiebt man ein Leerzeichen dazwischen bekommt das Wort sogar gleich nochmal eine neue Bedeutung. In stabil. In Stabilität. Also doch kongruent, doch da, nicht wegzudenken, nur gerade ins Wanken gekommen. So wie das Bild vor meinen Augen gestern Nacht. Aber auf meinem Handy ist es gespeichert. Und beim Ansehen auch alle passenden Gefühle dazu in meinem Herzen.

Als ich mit mittlerweile Weißwein und ihr dort saß. Dort, wo wir nie saßen, das alles nicht aus der Bodenperspektive angesehen haben, sondern immer von oben. Immer von oben herab auf das schöne Heim, die große Welt und nie genug auf uns und das was zählt. Ich stehe auf, komme ins Wanken und gehe den altbekannten Weg über die schöne Straße, die schönste von allen mit den schönen Baumen, dem Gefälle und den ganzen schönen Häusern und brauche nur einen Schritt für die drei Stufen zur Haustür. Den Schlüssel habe ich nicht dabei, denn jetzt wohnt hier Familie Färber. Sagt das Klingelschild.

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