„Ich bin hochsensibel“

Maria Anna Schwarzberg

„Ich bin hochsensibel“, schrieb ich in einem meiner letzten Posts, worauf hin viele Nachrichten und Nachfragen von euch bei mir eingingen. Einige wussten nicht, was es genau damit auf sich hat, andere waren dankbar für den offenen Umgang mit dem Thema, weil sie selbst zu den „Proud to be Sensibelchens“ gehören.


Hochsensibel zu sein, bedeutet, immer zu fühlen. Genug für zwei. Sowohl sich selbst als auch die Gefühle anderer so stark wahr zu nehmen, als wären es die eigenen. Zwischenmenschliche Beziehungen zu fühlen, Stimmungen in Räumen wahrnehmen zu können, kleinste Veränderungen in Kommunikation und Verhalten zu bemerken. Dass es schwer fällt, sich davon abzugrenzen und deshalb ständig sich selbst zu reflektieren.

Meine Superpower ist meine Intuition

Die eigenen Gedanken, Gefühle und Erlebnisse und die der anderen fluten regelrecht die Sinneskanäle. Sezieren und immer wieder überprüfen, wo man steht. Das ist anstrengend, sehr sogar. So sehr, dass immer wieder viel Raum für sich selbst gebraucht wird. Wo andere voranschreiten, geht man einen Schritt zurück, um wieder bei sich anzukommen. Und das ist eben auch schön, weil man eigentlich immer weiß, wo man im eigenen Leben steht, sich mit sich selbst auseinander setzt und wieder zusammen. Keinen Weg wählt, den man nicht gehen will. Das eigene Bauchgefühl ist ein wirklich guter Anker und Wegweiser.

In einer Welt voll Oberflächlichkeiten, wenig moralischem Tiefgang und Schnelllebigkeit, in der viele nur suchen, aber nicht ankommen, in der mit Fassaden viel vorgegeben, aber wenig hinter die Mauern geblickt wird, in der Echtheit mit Schwäche verwechselt und nur emotional abgestumpfte Stärke honoriert wird, ist Hochsensibilität aber eben auch ein schmerzhaftes Laster, das sich weder in das Bild der anderen einfügt, noch für wenig Verletzungen sorgt. Aber es ist auch ein Zugewinn an Selektierungsmöglichkeiten. Außerdem führen wir Hochsensible wunderschöne Beziehungen – vor allem mit uns selbst. Und auch mit anderen – wenn wir denn wollen.

„Having a soft heart in a cruel world is courage, not weakness.“ – Katherine Henson

Gerade weil für das Thema Hochsensibilität zu wenig sensibilisiert wird (Wortwitz! Auch in emotionalen Themen.), habe ich eure vielen Nachfragen einmal zum Anlass genommen und wollte euch ein wenig Einblick geben – in meine Hochsensibilität. Denn hochsensibel ist nicht gleich hochsensibel. Es gibt unterschiedliche Ausprägungen. Oftmals hilft allein schon das Wissen um die eigene Hochsensibilität, um sich nicht mehr fremd und anders zu fühlen, sondern von sich selbst verstanden – und ein wenig besonders.

6 Gedanken zu „„Ich bin hochsensibel“

  1. Kathi Antworten

    Liebe Maria,
    ich habe diesen Artikel ja eigentlich schon gelesen. Und ich sehe auch immer deine Hashtags #proudtobesensibelchen. Schon lange frage ich mich, was mit mir eigentlich verkehrt sein könnte. Und als heute mein Freund zum millionensten Mal meinte: Du musst Dinge einfach mal sein lassen und dir ein dickeres Fell zulegen, da habe ich mich an deinen Artikel erinnert.

    Und dann noch zwei, drei, vier andere Artikel hinterher geschoben. Und ein paar Online-Tests. Obwohl die erleichternde Antwort mir eigentlich schon klar ist: Ich bin sicherlich nicht verrückt. Oder depressiv. Ich bin sensibel, sehr sogar. Ich weiß das klingt so Klischee, aber manchmal fällt es mir schwer, in der Welt zu bestehen. Mir keine Gedanken zu machen. Zu genießen, ohne über etwas völlig anderes zu grübeln. Länger als zwei Stunden auf einer lauten Party bleiben.

    Ich würde mich wirklich unglaublich freuen, wenn du noch mehr zur Hochsensibilität schreibst – wie du sie akzeptiert hast, wie du damit klar kommst, einfach noch ein wenig Input 🙂

    Liebe Grüße,
    Kathi

    • Maria Anna Autor des BeitragesAntworten

      Liebe Kathi,

      ich danke dir für dein Feedback <3 Und die Good News: Proud to be Sensibelchen kommt bald als Podcast und wird ganz viel Input zu dem Thema geben.

      Ganz liebe Grüße!

  2. Tobias Antworten

    Hallo zusammen, ich würde mich gerne erstmal ohne großes Kommentar an das Thema anklinken, wenn es ok ist? Habe vergeichbare Problematik aber mit anderen Schwerpunkten… könnte mir jedoch vorstellen, hier ein paar gute Ansätze zu finden. Lg, Tobias

  3. Jasmin Antworten

    Hallo Maria Anna
    wie schön zu lesen dass ich nicht die Einzigste bin mit dieser Eigenschaft. Wie oft muß ich mir anhören: „Sei doch nicht so empfindlich, nimm dir nicht alles so zu Herzen!“ Und dann sieht man mir auch noch jede Emotion sofort an, in nonverbaler Kommunikation bin ich unschlagbar! Ich versuche den Leuten beizubringen, dass genau das etwas gutes ist. Sie können jederzeit in meinem Gesicht ablesen was los ist, keine Chance mich zu verstellen. Und ich kann bei anderen viel besser ablesen, manchmal bevor sie es selbst wissen.
    Ich würde mich freuen mehr von dir zu lesen, dann fühle ich mich nicht mehr so allein damit
    Liebe Grüss
    Jasmin

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