Ich fühle dich da immer noch.

Maria Anna Schwarzberg Ich fühl dich immer noch Emotional Hochsensibel

Hier geht es um Gefühle und Tiefe und die Ohnmacht, beides nicht einfach ausblenden zu können. Weil Liebe zwar geht, aber Verletzungen bleiben.


Das ist einfach nur scheiße und scheiße dumm.

Die Nachricht kam unerwartet, traf mich mehr als gedacht. Ich sitze auf dem Rad mit viel zu hohem Sattel und trete unbeirrt und unbewusst in die Pedale. Ferngesteuert von meinem Gehirn fahre ich durch die Sommersonne und muss nach jeder Fensterscheibe reflektierenden Lichtes blinzeln. Wie ein Instagram-Filter hängen die petrolblauen Wolken immer wieder vor der Sonne und decken alles in Zwielicht. Mein Ziel kennend und den Weg nicht fühlend, erschrecke ich mich ganz plötzlich vor meinem eigenen Gedanken: Ich wäre so gern für dich da, möchte dir die Hand reichen, dir Trost spenden. Und ich weiß: Ich fühle dich da immer noch.

Erschreckend traurig ist das, dass ich kurz darüber nachdenke, in den Gegenverkehr zu steuern. Es ist nicht schön und auch nicht Hollywood, nicht diese emotionale Love Story und auch nicht bestimmt. Das ist einfach nur scheiße und scheiße dumm. Das mit dem Verkehr, aber auch das mit uns. Rational gesehen gibt es nämlich gar kein uns, gab es auch nie. Da gab es Chemie und Timing, Nähe und Gerede, Flirts und geteiltes Essen, geteilte Betten, Hormone, Rausch. Und dann gab es da dieses nicht greifbare, undefinierbare, nicht haltbare, dieses ansteckende, süchtig machende, nicht gehen wollende Gefühl, das sich zwischen uns schob. Das, bei dem Ängste kommen und Mauern doch fallen.

Das ist Verbundenheit.

Das da ist und sich Platz und Raum nimmt, sich dazu setzt und ein Runde Luftanhalten und Herzrasen schmeißt. Ich sehe deine Blicke durch den Raum mich suchend und doch wieder wegschauend, meinen Kopf auf deiner Brust und mein Gesicht in deinen Händen. Ich höre deine Worte, leichtes Atmen, Lachen bis mir die Augen vor Müdigkeit zufallen. Ich fühle deine Berührung auf meiner Schulter, wo ich sie fühlen sollte, deine Lippen an meinem Hals und deine warmen Finger in meinen, dein Hand auf meinem Oberschenkel und dich, dich und immer wieder dich. Ich rieche dich durch den Raum und auch da, wo du mal warst und nich mehr bist.

Und all das ist nicht das Gefühl, das ich in deiner Nähe und deiner Ferne habe, in deinen Armen, Worten oder Blicken. Da ist Verbundenheit. Und die will sich nicht rational erklären lassen, hat sich einfach angeschlichen und es sich gemütlich gemacht. Sie ist gekommen, um zu bleiben, auch wenn sie nicht gebeten wurde. Und jetzt gerade, wo mich der Wind mehr als meine Kraft den Berg hinunter treibt, tut sie einfach weh. Die Verbundenheit und die Erkenntnis darüber, dass du mich berührst und ich rein gar nichts dagegen unternehmen kann. Als mild zu mir zu sein und dem Schmerz die Hand zu reichen, nichts zu fürchten und auf alles zu vertrauen.

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