Leben 2.0 – Das Leben nach dem Burnout mit 25

Maria Anna Schwarzberg

Vor eineinhalb Jahren brach in mit einem Burnout zusammen. Mein Leben 2.0 bezeichne ich mein Leben danach gern. Und möchte heute so mutig sein, euch zu zeigen, wie es mir damals ging und warum ich heute in vollen Zügen dieses Leben lebe, so dankbar und stolz bin.


BURN OUT

„Also ich mache noch das Studium und den neuen Job, den muss ich bekommen, wirklich. Das ist, als würde alles genau darauf hinauslaufen. Ich werde das auch schaffen, auf jeden Fall. Dann habe ich einfach weniger Freizeit, aber ich weiß ja, wofür ich das mache. Das zahlt sich alles irgendwann aus. Ich ziehe das einfach durch und dann, ja dann ist mein Leben so, wie ich es möchte.“

Denn: Ich muss doch noch so viel erledigen.

Ich schlief zwischen vier und sechs Stunden pro Nacht, war morgens völlig übermüdet und verschlief häufig. In kürzester Zeit habe ich mich im Bad fertig gemacht, bin zur Bahn gesprintet und schon mit schlechter Laune bei der Arbeit angekommen. Ich war wütend. Weil ich verschlafen hatte, weil ich laufen musste und verschwitzt war, weil die blöde Bahn zu früh oder zu spät abgefahren ist. Ich musste, weil ich spät angefangen habe, länger bleiben. Und ich hasste meinen Job, in dem ich das tun musste. In der Mittagspause habe ich Texte geschrieben, Bilder bearbeitet und nebenbei schnell etwas gegessen. Es war auch hin und wieder tatsächlich gesund.

Danach bin ich müde nach Hause gefahren, war lustlos und lag auf dem Sofa vor dem Fernseher. Irgendwann habe ich mich wieder aufgerafft, es war doch noch so viel zu tun. Texte schreiben, redigieren, Bilder, Unimappen durcharbeiten, Hausarbeiten schreiben. Aufräumen, Putzen und Einkäufe mussten auch untergebracht werden. Ich war unter Dauerstrom, im Kopf immer bei dem nächsten To-Do-Listen-Punkt, immer enttäuscht, weil ich nie alles schaffte. Also ging ich später schlafen als gewollt, um auch noch dieses oder jenes erledigen zu können. Am Wochenende schlief ich viel und arbeitete weiter an Texten und Hausarbeiten, ging nachts lang und hart feiern, traf mich mit Freunden, obwohl ich einfach nur zur Ruhe kommen wollte, die ich aber einfach nicht mehr fand. Denn: Ich muss doch noch so viel erledigen.

„Ja, aber vielleicht geht es ja morgen früh wieder.“

An einem Sonntagmorgen nach einer langen Partynacht konnte ich einfach nicht mehr schlafen. Ich war in einem Dauerstrom von Gedanken und wollte, aber konnte einfach nicht mehr einschlafen. Ich fand das Leben in diesen Stunden so anstrengend, so zermürbend, ermüdend, furchtbar, schlecht, aussichtslos, dass ich nie wieder aufstehen, dass ich nie wieder weiterleben und lachen und atmen und weitermachen wollte. Mit einer Stunde Schlaf schleppte ich mich aufs Sofa und brach weinend zusammen.

Nach Stunden voller Tränen, Reue und Ehrlichkeit zu mir selbst – und gegenüber einem Freund, beschloss er, dass ich am Montag zum Arzt statt zur Arbeit gehen sollte. Ich konnte das längst nich mehr für mich entscheiden, hatte jede Steuerungsfähigkeit über mich verloren. „Ja, aber vielleicht geht es ja morgen früh wieder.“ Er blieb bei seinem Nein und zwang mich, noch am Nachmittag meinen Chefs Bescheid zu geben, damit ich aufhöre, darüber nachzudenken, ob ich gehe. Ich schlief, wenn auch schlecht, an diesem Sonntag und ging morgens zum Arzt.

Ein Körper, der immer 150 Prozent Leistung gebracht hat und plötzlich nach einem simplen Essen einschläft, der macht Angst. Richtig viel Angst.

„Ach Frau S., lang nicht gesehen. Wie geht es Ihnen denn?“ Auf diese einfache Frage folgte ein Tränenmeer. Er schrieb mich für diese Woche krank und bat mich, in der Woche darauf wieder zu ihm zu kommen. Ich fuhr nach Haus zu meiner Familie. In dieser Woche aß ich zum ersten Mal seit Monaten drei Mahlzeiten pro Tag, ich schlief 15 Stunden am Stück und brach ständig weinend zusammen. Ich hatte Panikattacken, weil mein Körper einfach nicht mehr mir gehörte, weil er einfach nicht mehr funktionierte. Ein Körper, der immer 150 Prozent Leistung gebracht hat und plötzlich nach einem simplen Essen einschläft, weil er so müde ist, der macht Angst. Richtig viel Angst.

Ob er denn wieder funktionieren würde – irgendwann? Und wann ist dieses irgendwann? Wie geht es jetzt weiter? Was ist mit der Arbeit? Was ist mit dem Blog? Wie lang wird es dauern? Warum wird es nicht besser? Wieso kann ich nichts mehr? Wird sich jetzt alles verändern? Wie wird es sich ändern? Kann ich das eigentlich? Ich will, dass alles wieder gut ist. Ich will glücklich sein, ich will nicht mehr weinen.

Ich war verzweifelt und getrieben.

Ich ging in der nächsten Woche wieder zum Arzt, der mich gleich um zwei weitere Wochen krankschrieb, mich aufrichtig nach meinen Gedanken und meinem Alltag fragte und mir riet, mich in Therapie zu begeben. Auch ich merkte, dass es so wie zuvor nicht weiter gehen konnte – weder psychisch noch physisch, dass nichts mehr ist, wie es mal war. Und dass es auch mit Willenskraft allein, so wie sonst, nicht mehr zu erreichen war. Nach einer halben Stunde Spazierengehen war mein Körper fertig und müde. Ich konnte mich auf nichts lang konzentrieren. Es fiel mir schwer, regelmäßig und ausreichend zu essen und zu trinken.

Und ich hatte zum ersten Mal seit sehr langer Zeit einfach Zeit für mich. Mein Kopf war also ein einziges Gedankenkarussell aus Vorwürfen, Plänen, Reue, Hätte, Wäre, Wenns, To-Do Listen, Wollen und Möchten, ganz viel Aber und ohne Ruhe. Dieses in sich kehren, auf den Bauch hören, einfühlen in das, was man mag und möchte, sich nach sich selbst orientieren – das ging einfach nicht mehr. Da war nichts mehr außer einem Strom von Gedanken, der unermüdlich durch meinen Kopf zog und mir, in den Stunden, in denen ich nicht schlief, den letzten Nerv raubte. Ich hatte das Gefühl, irre zu werden, durchzudrehen, keinen Ausweg zu sehen, auf der Stelle zu treten und nicht und nie wieder weiterzukommen. Ich hatte wirklich Angst, dass es für immer so bleibt. Ich war verzweifelt und getrieben.

A NEW WHITE PAPER

Also schrieb ich an einem Mittwoch vier Emails an vier Psychotherapeuten, über die ich mich informiert hatte. Ich traute mich nicht anzurufen, denn ich hatte Angst. Angst wieder zu weinen, dass sie mich nicht ernst nehmen , Termine erst in ferner Zukunft zur Verfügbarkeit stehen würden und irgendwie fehlte mir die Kraft, das alles abzufangen. Noch am selben Nachmittag antwortete alle vier und luden mich am nächsten und übernächsten Tag ein. Der erste Termin war an einem Donnerstag, 10:00 Uhr.

Aha, der macht also Psychotherapie.

Ich war aufgeregt und müde, aber pünktlich. Als die Tür aufging und der Patient mit dem Termin vor mir den Raum verließ, sah ich ihn an und dachte: „Aha, der macht also Psychotherapie. Was hat er wohl und so sieht man also aus, wenn man eine Therapie braucht. Eigentlich sieht er ja ganz normal aus.“ Im nächsten Moment tat mir dieser Gedanke schon leid, denn ich saß genau wie er hier, um mir helfen zu lassen. Herr B. begrüßte mich freundlich, schüttelte mir die Hand und bot mir einen Platz in seinem hellen, großen Zimmer an, das gar nicht nach Therapie aussah. Kein Sofa, keine esoterischen Spielereien. Clean und gemütlich war das Zimmer mit Blick auf Hamburg. „Frau S., warum sind Sie denn hier? Erzählen Sie mir, wie es Ihnen geht.“ Stille und Schweigen.

„Ja. Also ich weiß es nicht genau. Aber ich kann seit eineinhalb Wochen nicht arbeiten, ich schlafe nur und ich kann nicht essen. Ich kann nicht mehr abschalten und …“ Ich weinte und weinte. Der Klassiker unter den ersten Therapiesitzungen.

Diese erste gemeinsame Stunde diente dem Kennenlernen und Herausfinden. Wir waren uns beide einig, dass wir gut zusammenarbeiten könnten und so vereinbarten wir weitere Termine, reichten alle notwendigen Unterlagen bei der Krankenkasse ein und bescheinigten mir offiziell, dass ich eine Therapie brauchte. Ich. Nie fand ich es schlimm, wenn andere Menschen psychisch krank gewesen sind. Für mich war es schon immer so, dass diese Menschen eben krank sind, so wie jemand, der die Grippe hat, ein gebrochenes Bein oder Krebs – nur dass es eben die Psyche ist. Trotzdem ist es ein ganz anderes Gefühl, wenn man plötzlich selbst krank ist, ausfällt und schwach in einem großen Aquarium voll mit Fischen schwimmt, die alle zielstrebig unterwegs sind – denn das Leben dort draußen hört nicht auf – nur man selbst schwimmt auf der Stelle.

„Werde ich denn Montag wieder arbeiten können?“

„Werde ich denn Montag wieder arbeiten können?“ Ruhig blickte Herr B. mich an und sagt sanft, aber bestimmt: „Nein, Frau S. Und auch den Montag darauf nicht. Versuchen Sie, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass es jetzt dauern wird. Es wäre wirklich besser, wenn Sie sich jetzt Zeit für sich nehmen, nur für sich und Ihre Gesundheit.“ „Ja aber, meine Kollegen und die Arbeit und …“ Ich konnte es nicht annehmen, dass ich, zumindest für eine Zeit, aus der Welt aussteige.

Ich wurde im zweiwöchigen Rhythmus krank geschrieben, meine Chefin gab mir Zeit, sagte, ich solle mich erstmal erholen, mich nur um mich kümmern und die Arbeit ausblenden. Die würde schon nicht weglaufen, meine Gesundheit würde vorgehen. Ich war erleichtert und kämpfte trotzdem täglich mit einem schlechten Gewissen, dass ich nicht arbeiten ging sondern zu Haus blieb. Und nichts tat. Außer schlafen und essen, viel zu viel nachzudenken und zur Therapie gehen. Zwei mal die Woche.

AHA-EFFEKT

„Meinen Sie denn, dass ich bald wieder arbeiten gehen könnte?“, fragte ich Herrn B. drei Wochen später – so wie jede Woche. „Frau S., stellen Sie sich doch einmal vor, Sie gehen Montag arbeiten. Machen Sie das mal, gehen Sie in Ihren Gedanken einmal den Tag durch wie er ablaufen würde.“ Ich schwieg eine Weile und dachte nach.

Nach einigen Minuten antwortete ich: „Ich wüsste nicht einmal, ob ich vor lauter Müdigkeit aus dem Bett kommen würde. Geschweige denn vor Niedergeschlagenheit und Traurigkeit. Nach spätestens drei Stunden wäre ich so erschöpft, dass ich nach Hause gehen müsste. Ich wäre meinen Kollegen wirklich so gar keine Hilfe.“ Er nickte. „Richtig Frau S. Auch wenn Sie gern würden und Ihre Kollegen gern hätten, dass Sie dort sind, Sie können einfach nicht. Es hilft Ihnen und den anderen nicht. Sie müssen erst einmal bei sich bleiben und gesund werden, dann können Sie wieder für andere da sein und arbeiten gehen.“

Vielleicht braucht der Kopf manchmal einfach diese Zeit, die viele Zeit, um alle Gedanken zu denken und zu Ende bringen zu können, neue Verknüpfungen zu schließen und Ist und Soll so oft abzugleichen bis es wieder passt.

Ich beschloss, es einfach anzunehmen. Es ließ sich nicht ändern und ich hatte mit der Therapie die Chance, einfach alles zu ändern und wieder in richtige Bahnen zu lenken. Also gab ich bei der Arbeit bekannt, erst im Januar wieder arbeiten zu können und versuchte, die Therapie ganz fleißig voran zu treiben. Vielleicht braucht der Kopf manchmal einfach diese Zeit, die viele Zeit, um alle Gedanken zu denken und zu Ende bringen zu können, neue Verknüpfungen zu schließen und Ist und Soll so oft abzugleichen bis es wieder passt.

In der Therapie arbeitete ich meine Vergangenheit auf und probierte neue Verhaltensmuster. Zum Beispiel nicht bis zur Erschöpfung eine Sache zu tun, auch wenn die Erschöpfung jetzt viel früher einsetzte als in der Zeit vor dem Zusammenbruch, sondern vor der Erschöpfung eine Pause zu machen. Einfach einen Tee aufzusetzen und ein Buch zu lesen und dann weiter zu machen. Ich musste das „Alte“ erst begreifen ehe ich das „Neue“ umsetzen konnte – und es war nicht leicht. Es ist nicht leicht, sich ständig mit allem auseinanderzusetzen und zu hinterfragen und hin und wieder den Kopf zum Schweigen zu bringen.

Aber irgendwann, ganz plötzlich, fing es an.

Aber irgendwann, ganz plötzlich, fing es an. Ich lag auf dem Sofa und las ein Buch, legt es weg und bemerkte nach einer Weile, dass Ruhe in mir herrschte. Dass die Anspannung gerade weg war. Ich suchte nach ihr und fragte mich, warum ich so ausgeglichen bin. Dann beschloss ich, genau diesen Zustand einfach hinzunehmen ohne ihn zu hinterfragen, ob das denn gerade okay sei und ob ich nicht etwas vergessen hätte, was wichtig wäre. Ich hörte einfach auf, mich selbst ständig zu verurteilen und wurde etwas gnädiger mit mir.

Fünfzehn Stunden Schlaf und erst um 10:00 Uhr aufgestanden? Okay, brauche ich scheinbar gerade. Vergessen, ausreichend zu trinken? Passiert. Heute viel zu viel Serien gesehen? Passiert auch. Mach es morgen eben besser. Aber genau das ist der Lernprozess gewesen, der mir am Anfang gar nicht bewusst war. Und es dauerte bis ich nicht mehr so hart zu mir war, mir das Leben erlaubte. Immer wieder fiel ich zurück, aber es ist viel wichtiger zu erkennen, dass ich gerade in alte Muster fiel und sie dann wieder durchbrach. Ich habe eine Woche lang zu wenig frische Luft gehabt. Oh, okay. Dann gehe ich jetzt raus. Die Balance ist das Ziel, intuitiv das für sich zu tun, was gesund und gut ist. Ich brauchte sehr viel Ruhe und Zeit und Hilfe, um das wieder zu lernen.

Manchmal ist es einfach so, dass es Menschen gibt, die ein Stück deines Weges teilen und dann nicht mehr.

Mein Therapeut sagte mir von Anfang an, dass ich zumindest Freunde und Verwandte in die Krankheit einweihen soll, weil ich mich verändern würde. Sie würden sonst nicht verstehen können, warum ich anders leben würde als zuvor. Er sagte auch, dass sich jetzt zeigen würde, wer wirklich Freund ist und zu mir zur Seite steht. Dass es Menschen gäbe, die mit psychischen Erkrankungen nicht umgehen könnten und abweisend reagieren würden.

Eine Freundin, mit der ich auch zusammen arbeitete, schrieb mir acht Wochen nach meiner Erkrankung, wie es mir ginge. Und ich sagte ihr, dass es besser werde, ich aber erst im neuen Jahr wieder arbeiten würde. Sie schrieb, dass sie nicht wisse, was sie sagen solle. Als ich nachfragte warum, sagte sie, dass ich ja schon acht Wochen weg sei und wir von sechs weiteren Wochen reden würden. Und dass in ihr zwei Herzen schlagen würden – das der Kollegin und das der Freundin. Sie machte mir Vorwürfe wegen einer schlechte Personallage, sie machte mir Vorwürfe für Dinge, über die sie nichts wusste, weil wir uns seit Wochen nicht gesprochen hatten.

Ich beendete das Gespräch damit, dass ich so etwas lieber persönlich besprechen möchte. Aber genau diese Nachrichten hingen mir noch lang nach. Ich war traurig darüber, dass sie mir nicht beistand, gerade sie, die so harte Zeiten im Leben durchgemacht hatte. Ich war wütend, dass sie mir Sachen unterstellte und anlasten wollte, für die ich nichts konnte und ich merkte, dass es okay ist. Es ist okay „Nein“ zu sagen, ein Gespräch zu beenden, eine Freundschaft in Frage zu stellen. Auch wenn es weh tut.

Ich versuchte, die Dinge, die ich nicht ändern konnte, auch wirklich nicht mehr zu ändern, sondern zu akzeptieren. Manchmal ist es einfach so, dass es Menschen gibt, die ein Stück deines Weges teilen und dann nicht mehr. Weil die Unterschiede zu groß gewesen oder geworden sind. Und auch das ist okay. Weil jeder sich weiterentwickelt und versucht, glücklich zu sein. Also bin ich mit dieser Freundin heute nicht mehr befreundet, grüße sie trotzdem und wünsche ihr ehrlich alles Gute.

HEUTE

Jetzt entspricht mein Alltag ziemlich den Wünschen, die ich immer hatte. Ich schalte oft und gern das Handy ab, lese, schlafe ausreichend und stehe fit auf. Ich beginne den Morgen in Ruhe und immer wieder gern mit Sport. Ich verbringe meinen Tag mit Kreativität und Freude. Zwischen all den Bildern, Konzepten und Texten, die ich für andere erstelle, mache ich viel Schabernack. Ich trinke ausreichend, vor allem Tee und Wasser – ok, und Mate, ich ernähre mich vegan, achte auf Nachhaltigkeit in meinem Alltag und schlage trotzdem immer mal wieder und gern über die Stränge. Ungezwungen, dann wann ich möchte. Manchmal bleibe ich tagelang für mich, weil ich möchte, weil ich lese und mit mir bei mir bin, Filme schaue, Reisen buche oder einfach gar nichts tue.

Ich gönne mir.

Ich komme auch mal vom Weg ab, merke es aber auch und besinne mich dann wieder auf die mir wichtigen Dinge. Ich gönne mir. Ich gönne mir ganz viel Muskelkater vom Lachen, Langeweile, alles langsamer anzugehen, in den Tag zu leben und nur kurzweilige Pläne zu machen. Ich plane nicht mehr langfristig, ich lebe einfach. Ich will keine Perfektion mehr, ich will einfach mich. Ich mag mich und mein Leben, weil ich mir selbst vertraue und wieder auf mein Bauchgefühl hören kann. Ich bin nicht egoistisch, aber ich sehe mich endlich selbst und nehme mich und meine Bedürfnisse auch wahr.

Ich stelle mich nich immer nur zurück, ich habe eine Meinung und sage sie auch endlich laut. Auch, wenn ich anecken könnte. Blödmänner weise ich bewusst zurück, nicht jeder muss mich mögen – auch das ist okay. Auch Ablehnung gehört dazu. Ich konzentriere mich einfach auf mich, gebe mir Ruhe und gehe die Dinge gemächlicher an: Wichtig ist nur, dass ich an allem in meinem Alltag, in meinem Leben, Freude habe. Ich bleibe dabei offen und zugänglich, viel zu emphatisch und glaube an das Gute in allen Menschen. Ich mag auch meine Fehler. Ich mag es einfach Ich zu sein.

Denn: Es ist mein Leben, ich will glücklich sein.

Das ist mein Leben, das mich glücklich macht. Jeder hat seinen eigenen Weg. In der Leistungsgesellschaft, in der wir nunmal leben, die unendliche Möglichkeiten bietet und jedem einprägt, er sei ein verdammtes Einhorn und könnte alles schaffen und sei sowieso ein individuelles, kreatives Wunderkind, kann man schon mal sein Bauchgefühl verlieren und vom Weg abkommen. Wer versucht, weniger nach links und rechts zu gucken, ist längst nicht kritikunfähig, konzentriert sich einfach nur auf sich. Eigentlich wissen wir alle, was wir möchten und was nicht, wohin wir gehen wollen und was wir von unserem Umfeld erwarten.

Aber dann sind da so viele andere mit ihren „Beyonce’s Tag hat auch nur 24-Stunden“-Tassen, mit den Millionen Followern, mit den Weltreisen, den Kindern, dem healthy Lifestyle, der sich ins Leben integrieren lässt, mit dem schnellen Aufstieg in der Agentur, mit dem sportlicheren Body und dem trotzdem exzessiven Partyleben. Statt ihnen zuzusehen und traurig zu werden, besinne ich mich auf mich, überlege, was ich wirklich erreichen möchte, was ich erreicht habe und dass ich mein Leben gern mag. Ich bin fokussiert und dabei trotzdem herzlich, offen und zugänglich. Nehme Kritik an, aber überlege, von wem sie kommt und ob sie mir wirklich weiterhilft. Streift sie sonst ab und geht weiter auf meinem Weg. Ja, ich lasse mich trotzdem gern inspirieren, aber überlege immer, was ich aus all der Inspiration wirklich für mich mitnehmen will. Denn: Es ist mein Leben, ich will glücklich sein.

Proud to be Sensibelchen

Für mich ist das Leben ein Fluss und ich sitze in einem kleinen Kajak. Ich könnte ständig gegen den Strom anpaddeln, die Richtung korrigieren und stehen bleiben, aber ich nehme es einfach an und lasse mich treiben. Wird es zu wild, zieht die Stromschnelle mich in die falsche Richtung, dann greife ich kurz zum Paddel und bringe mich auf Kurs – um dann lasse ich einfach wieder los. Ich nehme an, was da ist und mache das Beste daraus. Stur an Plänen festzuhalten, macht nur unglücklich. Also lasse ich heute alles los, nehme die Chancen an, die sich bieten, höre immer auf mein Bauchgefühl und lebe seit dem auf einer wilden Kajakfahrt.


Ganz besonders dankbar bin ich Stefan Thiele, Kathrin Weßling und Lisa Marie Giertz, die mich in dieser Zeit wochenlang haben ruhen und doch wieder vor die Tür gehen lassen. Die diesen Text schon vor einem Jahr kannten als ich noch nicht den Mut hatte, ihn aus der Schublade zu ziehen. Und allen anderen, die mir beigestanden, mich ausgehalten und voran gebracht haben, die mir neue Chancen gaben und – wenn auch nicht mehr heute, aber in dieser Zeit wahre Freunde waren.

5 Gedanken zu „Leben 2.0 – Das Leben nach dem Burnout mit 25

  1. Matthias Antworten

    Wow, das hat gesessen…Toll, ehrlich und umfassend beschrieben. Hut ab! Die Story dahinter gönnt man keinem..! Was mich aber erstaunt und traurig macht, ist die Tatsache, dass es so junge Menschen betrifft…. Ich habe den ersten Burnout mit 34, den zweiten Anfang diesen Jahres mit 45 erfolgreich absolviert…. Hast Du Dich jahrelang mit höchstem Druck in einer falschen Welt versucht zu bestehen oder hast Du Deine Werte erfolgreich mit viel Kraft jahrelang umgebogen, damit Du in Gesellschaft passt. Täte mich interessieren. Gerne an u.g. E-Mail. Dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg und denke daran: leuchten, nicht brennen.

  2. Aline Antworten

    Hallo du Liebe,
    ich habe noch nie unter einem Text kommentiert- aber bei deinem sind mir grad die Tränen gekommen.
    Ich bin aktuell wegen Burnout krank geschrieben und die Beschreibung wie es einem geht könnte von mir sein. Danke, auch weil es mir so viel Hoffnung gibt, das es ein „Danach“ geben wird.
    Ich habe drei kleine Kinder und versuche auch für die Krümel wieder auf die Beine zu kommen. Im Moment hab ich oft das Gefühl wenn es drei Schritte vor geht, geht es im Anschluss zwei zurück. ABER trotzdem Fortschritt.
    Ich wünsche dir alles Liebe-entdecke und erobere die Welt in deinem Tempo-du machst alles richtig!

  3. Tanja Antworten

    Liebe Maria, danke für deine wundervollen Texte. Ich hatte/ habe selbst gerade ein Burnout … ganz besonders dieser Text ist sehr wertvoll für mich und ich lese ihn immer wieder … vielen Dank

    • Maria Anna Autor des BeitragesAntworten

      Ich danke dir und wünsche dir ganz viel Kraft für diese schwierige Zeit.

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