Turn the page

turn the page

Das beklommene Gefühl, dass mit diesem Traum, dieser Nacht, mit mir etwas nicht stimmt. Und dass das so altbekannt und schmerzhaft wie eh und je ist.


Mittwochmorgen, 9:20 Uhr, und ich damit zwei Stunden hinter meinem Wecker, hinter meinem Bauchgefühl, in dem Wissen, dass gestern zu viel war, zu aufreibend, zu stimulierend und damit am Ende zu anstrengend – für mich. Kurz will ich mich selbst schelten bis das neue Muster greift und laut sagt: ‚Gut. Guter Körper, gutes Gehirn, dass sich seinen Schlaf nimmt.‘ Manchmal ist es nämlich vier Jahre alt und so überdreht und unaufhaltsam gut dabei, so clever und Neues zu Tage bringend, dass es sich dann aber auch gar nicht mehr beruhigt und immer mehr Fahrt aufnimmt. Dann hilft nur noch Schlaf.

Und in diesem Schlaf bin ich noch, nicht mehr ganz, aber halb und kann nicht raus, kann das Sonnenlicht noch nicht ertragen, muss die Augen wieder schließen, um noch einmal kurz hinein, ohne dabei zurück zu gleiten. Eine Träne läuft unweigerlich an der rechten Wange hinunter und ich hole schwer an diesem trockenen Brocken vorbei Luft. ‚Das ist nicht real, das ist nicht real.‘, sage ich mir und mein Gehirn hält dagegen: Aber gar nicht so abwegig, nicht? 

Ich träumte von dieser einen alles umfassenden Freundschaft, die mich so geleert hat, weil meine, nennen wir sie Freundin, eine alles einnehmende Narzisstin war, die mich schleichend und wahrscheinlich ohne es wirklich, wirklich zu wollen, aber doch, um sich selbst aushalten zu können, abgewertet und mürbe gemacht hat, bis ich mir selbst nichts mehr glaubte, mich für noch mehr anders und sowieso ganz und gar unpassend hielt. Und in dieser Situation in meinem Traum, da war ich unpassend. Und ich träumte von der Freundin, die als erste den Namen wirklich verdient hatte, in diesem Dschungel aus allein sein wollen und müssen, angeeckt, stets versteckt, nicht verstanden also lieber stehen lassen, vielleicht noch ein wenig weiter rausdrängen, ist ja auch irgendwie komisch, diese Maria. Aber diese Freundin setzte sich dazu, teilte das Brot und es war leichter, gemeinsam anders zu sein als allein. Und ich träumte, dass es nicht mehr passte, dass ich das nicht mehr finden, nicht mehr fühlen konnte und das irritierende körperliche Gefühl schlich sich ein. 

Andere Szene, gleiches Gefühl. Andere Menschen, gleiche Angst. Es sind Menschen, die mir jetzt nah sind, die mich jetzt in diesem Leben begleiten und in dem Traum in einen Abgrund, der ich nicht mehr bin, nicht mehr sein möchte, an dem ich nicht teilhaben will, der nicht mehr zu mir gehört. Und sie gehen und ziehen und finden das gut und hören gar nicht mehr auf. Aber der Traum hört genau hier auf und lässt mich mit dem schalen Gefühl altbekannter Ängste zurück, mit dem Gefühl nicht dazu zu gehören, anders zu sein, falsch, mit dem Gefühl, dass dieses Ziehen in der Brust auslöst, bei dem ich weiß: Heute ist ein guter Tag zum Schreiben, aber nicht zum Leben. Ich gehe die Etappen im Traum ein weiteres Mal durch und dann greifen die letzten Jahre, die neuen Erfahrungen, Erlebnisse, die Synapsen mit den neuen Verbindungen heben leise die Hand und sagen: Also, wenn du magst, kannst du all diese Situationen verlassen. Du bist nicht anders, du musst nicht passen, darfst auch einfach gehen.

2 Gedanken zu „Turn the page

  1. Lisa Antworten

    Liebe Maria,
    deine Worte tun mir unglaublich gut. Ich kann dir gar nicht ausreichend dafür danken. Es tut mich einfach beruhigen, dass es Menschen, wie dich gibt. Wie du und ich! Nur du schreibst es öffentlich nieder und gibt mir und sicherlich ganz vielen anderen Menschen Kraft, nicht allein mit dem allem zu sein.
    Das Leben ist nicht immer leicht und sehr oft kommt dieses Monster Angst in uns zum Vorschein. Wir müssen lernen damit umzugehen. Auch ich habe gerade in meinem Leben eine Phase, bei der das Monster sich ziemlich breit gemacht hat. Zum Glück gibt es Menschen, wie dich. Die sich nicht scheuen darüber zu schreiben und auch Mut machen, dass man lernen kann mit dem Monster zu leben. Oder zu gehen! Wie du geschrieben hast.

    Es grüßt dich ganz herzlich,
    Lisa

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